Ein wunderschönes Willkommensfest

Nach drei Wochen war es vorbei mit der vornehmen Zurückhaltung. "Wann bekommen wir die neue Erdenbürgerin endlich zu sehen?" stand unmissverständlich in der E-Mail einer Tante. Meine Tochter rief mich an. "Du, Mami, ich glaube, wir müssen uns etwas einfallen lassen. Die Familie will deine Enkeltochter sehen." Dazu muss man wissen, "die Familie" auf meines Manns Seite bedeutet sieben Geschwister mit Kindern und Kindeskindern.

Meine Tochter und ihr Mann leben in der Schweiz, aber halt etwas entfernt. Und heute ist es nicht mehr wie früher, dass den frischgebackenen Eltern die Türen eingeschlagen werden. Man wartet gesittet, bis eine Einladung ins Haus flattert. Aber wie soll diese zeitgerecht eintreffen bei so vielen Mitgliedern, und die Eltern zuerst noch lernen, sich mit der Situation zu dritt zurecht zu finden?

Wir entschieden uns für einen Tag der offenen Türe: Am Nachmittag Kuchen, am Abend - für die Berufstätigen - Spaghetti. Über zwanzig Personen hatten sich angemeldet. Grossmutter und Mutter backten Kuchen, Grossmutter auch zwei grosse Pfannen Spaghettisauce. Tisch und Bänke wurden in die grosse Stube getragen, die kleine Hauptperson noch einmal gefüttert. Dann gings los.

Alle wollten das kleine Mädchen in den Armen halten. Es wurde hin und her gegeben - und die Kleine genoss es. Sie lag friedlich in den vielen fremden Armen und zeigte sich von der süssesten Seite. Die Tanten, Onkel, Cousinen und Cou-Cousinen sassen zufrieden um den Tisch, plauderten, lachten, erzählten . Natürlich waren frühere Geburten ein Hauptthema!

Mittendrin das neue Erdenkind. Zwischendurch wollte es von Mama gefüttert werden, das Herumtragen übernahmen andere. Die einen gingen, die anderen kamen gegen Abend. Man ass und trank. Wir hatten es bis in die Nacht hinein gut miteinander. Meine Tochter und der Schwiegersohn freuten sich über die grosse Anteilnahme: über die vielen Besuche, über ihre Freude und die vielen Geschenke. Sie fühlten sich getragen, und ihre kleine Tochter wurde freudig in die grosse Familie aufgenommen. Es war ein wunderschönes Willkommensfest!

> Text als PDF (170 KB)

© 2018 Bernadette Kurmann