Nein, eine Babuschka bin ich nicht!

Zu erfahren, dass ich selber Grossmutter werde, löste bei mir viel Freude aus. Es soll das Schönste sein, was es überhaupt gibt im Leben. So sagten es mir die bereits aktiven Grosseltern. Eigene Erinnerungen an früher kreuzten meine Gedanken. Ich hatte eine Lieblingsgrossmutter, sie las viele Geschichten vor, sass an meinem Bett und schenkte mir Geborgenheit. Auch ich möchte dann meinem Enkel vorlesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich sogar selber Geschichten erfinden und aufschreiben werde.

Als werdende Grossmutter, begann ich mich bereits ein halbes Jahr vor der Geburt mit meinem künftigen Namen zu beschäftigen. Sollte ich mich etwa Grosi oder Omama nennen? Ich hatte mich bei vielen Grosseltern erkundigt, wie ihre Enkel sie ansprechen würden. Das Resultat befriedigte mich nicht.

Im Internet fand ich unter anderem heraus, dass mit den Menschen aus anderen Kulturen auch andere Grossmutternamen in die Schweiz gekommen sind. Die klangvollen Namen wie Baka, Budka oder gar Babuschka gefielen mir besonders. Aber nein, diese passten nun wirklich nicht zu mir. Machte ich alles zu kompliziert? Wertvorstellungen haben sich geändert, und ältere Frauen der dritten Generation entsprechen nicht mehr dem alten Klischee der Berufsschürzenträgerinnen. Ich weiss von meiner Altersgruppe, dass einige an die Uni gehen oder eine zusätzliche Ausbildung machen. Sie kleiden sich bunt, manchmal schräg und dürfen in der Regel ihre Visionen – Dinge, die sie sich noch wünschen – leben.

Also, was war zu tun? Ich könnte mich Tata nennen, sagte mir eine ehemalige Arbeitskollegin aus dem Bündnerland. Für mich war das keine gute Option, denn ich wollte nicht, dass mein Enkel mich mit “Dada“ verwechselt. Zudem, Mormar klingt nach Stein, Omsel nach Vogel, Abuela von einem anderen Planeten, Ama nach Amme und Momo nach einer Geschichte. Und Ema? Der erste Buchstabe meines Vornamens beginnt ja mit einem E. Daraus ergäbe sich Ema, da ich ja die Mutter meiner Tochter bin. Dann wusste ich es: Ich wollte künftig die Emama sein. Jetzt wo der Kleine da ist, scheinen die alten Sorgen verflogen. Dafür steht eine andere Frage im Vordergrund: Wer bist du?
Eveline Walser