Was bleibt, wenn alles anders ist

Nach der Tagung der GrossmütterRevolution zur Care-Ökonomie fanden wir uns zu einer Arbeitsgruppe zusammen. Wir waren unterschiedliche Frauen mit ähnlichen Fragen rund um die letzte Lebensphase. Im Austausch wollten wir herausfinden, wie und wo wir im hohen Alter bei allfälliger Pflegebedürftigkeit leben möchten. Wir lasen Artikel, besuchten Tagungen und schauten im Hinblick auf unsere mögliche Zukunft verschiedene Institutionen an.

Diese Auseinandersetzung mit dem hohen Alter war für mich ein heilsamer Prozess. Ich konnte mir allerdings das Leben mit Einschränkungen nur schwer vorstellen. Wie wird es sein, wenn ich mein Leben nicht mehr selbständig bewältigen kann? In welcher Umgebung würde ich mich wohl fühlen, wenn ich auf fremde Hilfe angewiesen bin? Natürlich gab es Institutionen, die mir mehr zusagten als andere. Und doch war mir bewusst: Ich habe lediglich einen flüchtigen Aussenblick, es geht noch nicht konkret um meine persönliche Zukunft.

Klar steht für mich fest: Ich möchte im hohen Alter nicht einfach als Objekt, als Nummer oder gar als ungeliebter Kostenfaktor wahrgenommen und behandelt werden, sondern als vollwertiger Mensch, der auch bei Pflegebedürftigkeit das Recht hat, bis zuletzt gut zu leben. Deshalb setze ich mich unter anderem in der GrossmütterRevolution für gute Rahmenbedingungen auch für hochaltrige Menschen ein.

Ebenso wichtig wurde mir in Bezug auf mein eigenes Alter die Erkenntnis: Es gibt vieles, das wir nicht planen, nicht beeinflussen können. Deshalb ist es für mich entscheidend, wie ich mit dem, was das Leben an Unvorhergesehenem bringt, umgehen kann. Dazu gehört das Bewusstsein, dass wir nicht erst im Alter, sondern das ganze Leben lang abhängig sind, da wir uns nur in Beziehungen entwickeln können. Das heisst für mich, im Hinblick auf eine mögliche Hinfälligkeit den Blick nach innen zu richten und näher zu mir zu kommen, damit ich meine persönliche Integrität dann wahren kann, wenn ich ganz auf fremde Hilfe und Unterstützung angewiesen bin.

Es ist das, was bleibt, wenn alles anders ist.

© Monika Fischer

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