Etwas was gleich bleibt

Jeden Freitag kommt Silan, mein Enkel. Er wohnt mit seinen Eltern in einem quirligen Haus, in einem quirligen Quartier.

Ich spüre, dass Silan froh ist, wenn alles mit uns zweien vorausschaubar und fest ist. Wir steigen aus dem Bus. Wir schauen am Fluss den Raben und den Möwen zu. Wir suchen ein Stecklein, mit den er an den verschiedenen hölzernen und metallenen Zäunen Musik machen kann, wenn wir durch das Weglein gehen, das durch die Gärten führt.

In unserer Küche ist alles bereit zum Backen: Mehl, Zucker, Mandeln, Milch und Eier und das Backblech ist auf dem Küchentisch. Und an Silans Platz wartet bei seinem Becher mit der Fähre seine kleine Flasche Süssmost auf ihn. Seit langem backen wir miteinander. Wir nennen uns Bäckerei SILSYL (Silan und Sylvia) und haben eine kleine und eine grosse Silsilschürze. Auch die zwei Büchsen sind schon da. In der angemalten bringt er am Abend seinen Eltern stolz Gebäck aus Dinkelmehl mit. Die andere Büchse bleib bei uns.

Silan kann schon gut Eiweiss und Eigelb trennen (fast immer),mit dem Wiegemesser Schinken schneiden und das Gebäck goldgelb anmalen. Wenn unsere Backwerke im Ofen brunzeln, geht Silan in die Stube und zeichnet. Auch die Malsachen liegen schon auf dem Tisch. Derweil kann ich den Küchentisch abwischen und mich ein wenig aufs Sofa legen.

Dann sitzen wir zusammen beim Gartenspiel, machen Puzzle oder nähen seiner Puppe ein neues Röckli. Zuguterletzt erzähle ich ihm aus dem grossen alten Märchenbuch Geschichten. Bis es läutet und der Papi mit der kleinen Schwester vor der Türe steht.

Mise en place. Es muss alles seinen Platz haben. Das gibt dem Kleinen und mir etwas Ruhe

Gestern kam eine ältere Freundin ganz verwirrt zu mir. Bei der Haltestelle oben am Hügel haben sie weitherum alle Gebäude abgebrochen. Sie wusste erst gar nicht mehr, wo sie gelandet ist und wo sie umsteigen muss. Und eine junge Frau erzählte mir, dass sie nie wisse, wenn sie von den Ferien zurückkomme, ob in dem Grosskonzern, in dem sie arbeitet, der Chef noch hier ist oder ob er nach Singapur oder New York versetzt wurde.

Anatol, mein Göttibub, und Adrian , sein Freund, kamen schon als kleine Knirpse zu mir. Heute sind es zwei prächtige junge Männer. Alle drei Monate kommen sie vorbei. Und es gibt – wie immer – Pizza, die sie nun machen. Früher habe ich sie dann ins Bett geschickt, heute ziehen sie nach dem Essen um die Häuser. Etwas geht weiter und Pizza muss es sein.

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© 2018, Sylvia Frey Werlen