Andere Grossmütter

"Und wenn ich selber keine Enkel habe?"
"Ich mache mir übers Altern keine grosse Sorgen", sagte die 75-jährige deutsche Altersforscherin Ursula Lehr. "Die fünf Enkel machen mir Riesenspass." Grossmutter sein ist heute in. Ohne Grossmütter wäre der Alltag in vielen Familien gar nicht mehr zu bewältigen. Ohne Enkelkinder wäre das Dasein vieler älterer Frauen (und Männer) weniger lebensnah.

Doch nicht alle Frauen, die ins Rentenalter kommen, haben eigene Kinder oder Enkelkinder. Was tun sie nach der Erwerbsarbeit? Wie definieren sie ihre Rolle als ältere Frau in unserer Gesellschaft? Gilt denn nur als vollwertige Frau, wer sich als leibliche Mutter über eigenen Nachwuchs ausweisen kann? Oder müssen wir auch fürs Altern ein neues Frauenmodell entwickeln, das sich von den althergebrachten Rollen emanzipiert?

Denn die Gesellschaft kann nicht nur auf die biologischen Grossmütter setzen. Gefragt sind die sozialen Kompetenzen aller älteren Frauen – etwa als Leihgrossmütter oder als Patinnen von Jugendlichen, die auf Beistand und Ermutigung angewiesen sind. Nötig sind die politischen Impulse aller älteren Frauen, die sich für eine solidarischere Gesellschaft engagieren – zum Beispiel für eine bessere Integration von Frauen und Männer mit einem Migrationshintergrund oder ein Altern in Würde.

Das Bild von der Grossmutter aus dem Familienalbum, die Socken strickt und Märchen erzählt, hat überlebt. Wie die neuen Grossmütter, wie alle älteren Frauen ihre generative Rolle gestalten und ausleben wollen, lässt sich noch nirgends nachlesen – diese Rolle muss jetzt diskutiert und selbstbestimmt erprobt werden. Die Tagungen und die Vernetzungsangebote der GrossmütterRevolution bieten Gelegenheit dazu.